Gedanken

FRANCIS BACON

 

Nicht die Glücklichen sind dankbar,

es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

EMYLIA HALL

 

Es liegt eine traurige Poesie im Ahnungslosen.

Jeder Katastrophe, die uns wiederfährt, geht eine Zeit voraus, in der wir von nichts wussten.

Wie glücklich wir da noch waren.

Wenn wir doch nur lernen könnten, die normalen Tage zu feiern. Die Tage, die unauffällig beginnen und sich wenig bemerkenswert fortsetzen.

Das sind die Tage, die man eigentlich wertschätzen sollte. Die Tage an denen wir innehalten sollten und Danke sagen.

Und damit anerkennen, dass wir bereit sind, gerüstet ...... sollte der Himmel dann eines Tages einstürtzen, hätten wir so eine Chance, in aufzufangen........

LUISE RINSER

 

Heute fürchte ich nichts. Heute zeige ich mich freimütig schutzlos dem Tag und wage mich zu freuen,

weil ich lebe, weil ich auf eine Art lebe, die nur ich weiß und kann, ein Leben unter Milliarden,

aber das meine, das etwas sagt, was kein anderes sagen kann.

Das Ein-Malige eines jeden Lebens.

 

Es macht mich heiter zu wissen, dass jeder recht hat mit sich selbst.

 

Schön ist es älter zu werden, erlöst von sich selbst, von der gewaltigen Anstrengung, "etwas zu werden",

etwas darzustellen in dieser Welt; gelassen sich einfügen, irgendwo, wo gerade Platz ist,

und überall man selbst zu sein und zugleich weiter nichts als einer von Milliarden.

SHANTIDEVA

 

Was immer an Freude ist in der Welt, entspringt dem Wunsch, andere glücklich zu sehen.

Was immer an Leid ist in der Welt, entspringt dem Wunsch, nur selbst glücklich zu sein.

ZWEI WÖLFE

Ein indianischer Großvater sprach mit seinem Enkel über Gewalt und Grausamkeit auf der Welt und die Gründe für ihre Entstehung.

Er sagte, es sei als würden zwei Wölfe in unserem Herzen kämpfen.

Ein Wolf ist rachsüchtig und wütend - und - der andere verständnisvoll und freundlich.

Als der Enkel den Großvater fragte, welcher den Kampf in unseren Herzen gewinnen würde, antwortete der Großvater:

"Der, den wir füttern!"

BERTOLT BRECHT

 

Der Skorpion trifft einen Frosch. Er fragt den Frosch:
Kannst du mich auf deinen Rücken nehmen und über den Fluss tragen?
Der Frosch sagt:
Nein, das tue ich nicht, denn dann wirst du mich in der Mitte des Flusses stechen, und wir ertrinken beide.
Aber das ist doch nicht vernünftig, antwortet der Skorpion, dann würde ich ja auch sterben.
Also gut, antwortet der Frosch, ich werde dich über den Fluss tragen.

Als der Frosch mit dem Skorpion auf dem Rücken in der Mitte des Flusses schwimmt, sticht der Skorpion den Frosch in den Rücken.
Bevor beide ertrinken, spricht der Frosch: warum hast du das getan? Das ist doch nicht vernünftig, jetzt ertrinkst du auch!
Und der Skorpion antwortet ihm, weißt du, ich bin halt ein Skorpion, das ist mein Charakter, und das hat nichts mit Vernunft zu tun.

RABINDRANATH TAGORE

 

Ich muss loslassen, woran ich mich geklammert habe.

Solange ich diese Tatsache als Verlust für mich auffasste,

war ich unglücklich.

Aber sobald ich sie unter dem Aspekt betrachtete

dass Leben im Loslassen und im Tod befreit wird,

kam ein tiefer Friede über meinen Geist.

ANTONIA KEINZ  /  ALLES!

Weite im Kopf
Im Herzen Welten
Die Füße auf der Erde
Will ich in die Wolken

 

Mein Unglück
Unbeständig wie das Glück

Werfen möchte ich mich in diesen Wandel
Tanzen und reiten im Augenblick

Könnten doch Alle, Alleallealle
Glücklich sein!
In allen Welten, zu allen Zeiten
Jahrtausend Universen lang

Könnten doch Alle
wie Nomaden wandern,
wandernwandern
immer weiterziehen

Vogel werden
Himmel sein
Schwimmend ein Meer
frei und offen für Jeden

Aber immer gehen wir schlafen
mit Gedanken an kommende Jahre
glauben Alles, Allesallesalles sei für immer so!

Was würde mir fehlen ohne mein Leben?

Das Leben!
Alles!
Allesallesalles!
Könnten doch Alle,
sich wie Blütensamen
dem Wind anvertrauen
frei von morgen und gestern
wie Blitze in der Dunkelheit

PAULO COELHO

 

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben;
Sie haben meine Phantasie beflügelt.
Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten;
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben;
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.
Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben;
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.
Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben;
Sie haben meinen Mut geweckt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben;
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.
Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben;
Sie haben mich wachsam werden lassen.
Ich danke allen, die mich verletzt haben;
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.
Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben;
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Vor allem aber danke ich all jenen,
die mich lieben, so wie ich bin;
Sie geben mir die Kraft zum Leben!

 

SOGYAL RINPOCHE

 

Da Vergänglichkeit für uns gleichbedeutend ist mit Schmerz, klammern wir uns verzweifelt an die Dinge, obwohl sie sich ständig ändern. Wir haben Angst loszulassen, wir haben Angst, wirklich zu leben, weil leben lernen loslassen lernen bedeutet.

Es liegt eine tragische Komik in unserem Festhalten: Es ist nicht nur vergeblich, sondern es beschert uns genau den Schmerz, den wir um jeden Preis vermeiden wollten. Die Absicht hinter dem Greifen ist nicht unbedingt schlecht. Es ist an sich nichts falsch an dem Wunsch, glücklich zu sein; weil aber das, wonach wir greifen, von Natur aus ungreifbar ist, schaffen wir uns immer Frustration und Leiden.

ALBERT SCHWEIZER

 

Hoffen ist Kraft.

Es ist so viel Energie in der Welt,

als Hoffnung darin ist,

und wenn nur ein paar Menschen miteinander hoffen,

dann wirkt die Kraft,

die nichts niederhalten kann,

sondern sich ausdehnt auf die anderen.

DAG HAMMERSKJÖLD

 

In jedem Augenblick wählst Du Dein Selbst. Aber wählst Du Dich selbst?

Körper und Seele haben tausend Möglichkeiten, aus denen du viele ICHS bauen kannst. Doch nur eins von ihnen ergibt die Kongurenz zwischen dem, der wählte, und dem Gewählten. Nur eins - und du findest es erst, wenn du alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen hast, alles neugierige Tasten, verlockt von Staunen und Begehren, zu seicht und flüchtig, um Halt zu finden im Erlebnis des höchsten Mysteriums des Lebens: dem Wissen um das anvertraute Pfund, das DU bist.

MARTIN WALSER

 

Mut gibt es gar nicht. Sobald man überlegt, wo man ist, ist man schon an einem bestimmten Punkt. Man muss nur den nächsten Schritt tun. Mehr als den nächsten Schritt kann man überhaupt nicht tun. Wer behauptet, er wisse den übernächsten Schritt, lügt. So einem ist auf jeden Fall mit Vorsicht zu begegnen. Aber wer den nächsten Schritt nicht tut, obwohl er sieht, dass er ihn tun könnte, tun müsste, der ist feig. Der nächste Schritt ist nämlich immer fällig. Der nächste Schritt ist nämlich nie ein Problem. Man weiß ihn genau. Eine andere Sache ist, dass er gefährlich werden kann. Nicht sehr gefährlich. Aber ein bisschen gefährlich kann der nächste Schritt werden. Aber wenn du ihn tust, wirst du dadurch, dass du erlebst, wie du ihn dir zugetraut hast, auch Mut gewinnen.

Während du ihn tust, brichst du nicht zusammen, sondern fühlst dich gestärkt. Gerade das Erlebnis, dass du einen Schritt tust, den du dir nicht zugetraut hast, gibt dir ein Gefühl von Stärke. Es gibt nicht nur die Gefahr, dass Du zu viel riskierst, es gibt auch die Gefahr, dass du zu wenig riskierst.

Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.

ETTY HILLESUM

 

Das ist eigentlich unsere einzige moralische Aufgabe: sich selbst große Flächen urbar zu machen für die Ruhe, für immer mehr Ruhe, so dass man diese Ruhe immer wieder auf andere ausstrahlen kann. Und je mehr Ruhe in den Menschen ist, desto ruhiger wird es auch in dieser aufgeregten Welt sein.

ALBERT EINSTEIN


Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil.

Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewußtseins.

Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt.

Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.

 

ANTOINE DE  SAINT-EXUPÈRY    Die Kunst der kleinen Schritte 

 

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen,  sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk’ mir das Fingerspitzengefühl um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Schenk’ mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.

Schick’ mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat,
die Wahrheit in Liebe zu sagen.

 

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte
mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.

Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern das, was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte

CHARLY CHAPLIN  hielt diese Rede an seinem 70. Geburtstag


Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit “zur richtigen Zeit am richtigen Ort” bin und dass alles, was geschieht, richtig ist - von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man "Vertrauen".

Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnung für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das heißt "authentisch sein".

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man "Reife".

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man "Ehrlichkeit".

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”, und heute weiß ich, das ist "Selbstliebe".

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man "Demut".

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es "Bewusstheit".

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute "Herzensweisheit".

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und Anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich, das ist das Leben!

SPIEGELBILD / eine kleine Geschichte aus Indien

 

Es gab in Indien einen Tempel mit 1000 Spiegeln. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund in den Tempel. Als er in den Saal der 1000 Spiegel kam, sah er 1000 Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und 1000 Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten fürchterlich und fletschten die Zähne. Voller Panik rannte der Hund auf und davon und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund. Auch er betrat den Tempel. Als er in den Saal der 1000 Spiegel kam, sah auch er 1000 Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf. Und er sah 1000 Hunde, die ihm schwanzwedelnd und fröhlich entgegensprangen. Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind.

MICHAEL ENDE / MOMO / Schritt für Schritt

 

Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis.

Es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man. Und man fängt an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen. Man darf nie die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.

Dann macht es Freude ; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt, Atemzug um Atemzug, Besenstrich für Besenstrich die ganze Straße gemacht hat.

Man hat gar nicht gemerkt wie und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.

 STEN NADOLNY

 

Jeder Einzelne spiegelt das Universum auf einzigartige, unverwechselbare Weise.

Nur alle Spiegelungen zusammen ergeben das wahre Bild.

Also ist eines jeden Beitrag wichtig, selbst wenn er sagen muss,

er sehe im Moment nicht allzu viel.

Kein Bild besteht nur aus Helligkeit,

wenn dir also dunkel ist, steure Dunkelheit bei.

 

DIE DREI SIEBE / SOKRATES

 

Zum weisen Sokrates kam einer und sagte: "Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!"

"Halte ein!" unterbrach ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst,
durch die drei Siebe gesiebt?" - "Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.

"Ja, guter Freund! Lass uns sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe hindurchgeht:
Das erste ist die Wahrheit  - Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es jemanden erzählen und..."

"So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. - Es ist das Sieb der Güte.
Ist das, was du mir erzählen willst, gut?" - Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."

"Hm", unterbrach ihn der Weise, "so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden.
Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?" - "Notwendig nun gerade nicht ..."

"Also”, sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist,
so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."